Wasserflug in Flensburg

Das Unternehmen „Baltic Seaplane GmbH“ betreibt seit Mai 2015 eine Cessna 172P auf amphibischen Schwimmern und setzt damit eine Tradition fort, die 1917 in Fahrensodde begann – die Wasserfliegerei und die Wasserflugschule.

1917 wurde in Fahrensodde eine Wasserflugstation gegründet und eine Wasserflugschule für Piloten, Beobachtern und Bordschützen aufgebaut. Die Stadt Flensburg überließ der Kaiserlichen Marine großzügig die benötigten Grundstücke. Kein geringerer als der berühmte Konstrukteur Claude Dornier empfahl der Kaiserlichen Marine diesen Standort wegen der idealen Bedingungen auf der Flensburger Förde. Hier konnte und kann die Ausbildung von Wasserflugpiloten unter allen Wind- und Wetterbedingungen optimal durchgeführt werden. Der Bau einer Flugzeughalle mit 800 m² zum Unterstellen und zur Wartung und Reparatur der Flugzeuge ging zügig voran. Das Personal war auf einem Wohnschiff, der „Herta“, untergebracht. Dieses Schiff bot Unterkunft für 500 Mann; was bedeutet, dass hier wohl einige Tausend Mann ausgebildet wurden, denn der Personalbedarf war bedingt durch den Krieg sehr hoch. Geschult wurde der Wasserflug mit Flugzeugen des Typs „Gotha WD 7“, ein einmotoriger Doppeldecker, von dem bis zu 14 Flugzeuge in Fahrensodde stationiert waren. Die Wasserflugstation wurde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs kontinuierlich ausgebaut. Es entstanden zusätzlich zu der großen Flugzeughalle insgesamt noch drei Wohngebäude, eine Ablaufbahn für die Wasserflugzeuge – Relikte dieser Ablaufbahn sind auch heute noch zu erkennen – eine wasserseitige Landungsbrücke mit einem Kran, um die Flugzeuge an Land zu heben, und eine Einfriedigung des gesamten Grundstücks.

Mit Ende des Krieges wurde der Flugbetrieb entsprechend der Versaillers Vertrags eingestellt und die meisten Gebäude abgerissen. Nur die Werkstatthalle und Teile der Wohngebäude sind heute noch vorhanden sowie die Abstellflächen und Teile der Ablaufbahnen.

Nach Wiederaufnahme des Flugbetriebs in den 30´er Jahren begann auch der Wasserflug wieder neu. Auf der Flensburger Förde landete nicht nur das Riesenflugboot „Do X“, sondern auch unterschiedliche Wasserflugzeuge wie die „Dornier Wal“, „Heinkel 115“ und weitere Typen. Bilder aus dieser Zeit dokumentieren dieses. Die Flensburger Förde war auch ein beliebtes Revier der damaligen Seefliegerschule der Deutschen Lufthansa mit ihrer Station in List auf Sylt. Von dort aus starteten Flugboote des Typs „Dornier Wal“ und auch Wasserflugzeuge wie die „Junkers JU-52“ zu Trainingsflügen auf die Flensburger Förde. Auch das Traditionsflugzeug der Lufthansa Berlin Stiftung, die D-AQUI, war zu Beginn ihrer Karriere als Wasserflugzeug gebaut und eingesetzt – allerdings in Norwegen.

Die Flensburger Förde hat somit eine lange Tradition als Revier für Wasserflugzeuge. Nicht nur die Seefliegerschule der Deutschen Lufthansa in List auf Sylt nutzte die Flensburger Förde als „Trainingsrevier“, auch kamen in den 30´er Jahren militärische Flugzeuge der neuen deutschen Luftwaffe hinzu.

Am 18.August 1930 gelang einem Lehrer der Seefliegerschule List auf Sylt – Wolfgang von Gronau -  ein Flug mit einer „Dornier Wal“ von List auf Sylt nach New York in 47 Flugstunden und im Juli 1932 startete er von List auf Sylt erneut, dieses Mal zu einer Weltumrundung mit einem Flugboot des gleichen Typs. Nach 44.000 km landete die Besatzung im November 1932 wieder wohlbehalten in List auf Sylt.

Mit Beginn der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Wasserfliegerei in Schleswig-Holstein intensiv ausgebaut. Es entstanden Wasserflugplätze in Travemünde als Außenstelle der Seefliegerversuchsanstalt in Hamburg, weitere Seeflugplätze entstanden in Heiligenhafen, Schleswig und auch auf der Flensburger Förde. Die Seefliegerstation in Fahrensodde wurde aber nicht wieder reaktiviert, sondern die Flensburger Förde als Trainingsgebiet für Flugboote und Wasserflugzeuge genutzt. Flugzeugtypen wie die „Dornier 24, Dornier 26, Heinkel 115 u.ä.“ trainierten in diesem Revier. Selbst nach Kriegsende starteten von Schleswig aus Flugboote von der Schlei, geduldet von den englischen Kommandeuren,  nach Pommern, um von dort in „Nacht und Nebel Aktionen“ Flüchtlinge auszufliegen.

Nach Kriegsende war es mit der Fliegerei in Deutschland vorbei. Die Alliierten verhängten ein komplettes Flugverbot und damit waren auch alle Flugplatze und Wasserlandeflächen aufgehoben. Mit dem Neustart der Fliegerei 1956 wurden nach und nach die Flugplätze reaktiviert; Flughäfen wie Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt usw. wurden schon kurz nach Kriegsende reaktiviert und von den Luftfahrtgesellschaften der Alliierten angeflogen.

Erst 2004 begann die „Clipper-Aviation“ den Wasserflug in Flensburg neu zu etablieren. Der Wasserlandeplatz Flensburg-Sonwik wurde geschaffen und von der Behörde dauerhaft genehmigt. Damit lebte eine langjährige Tradition nach Jahrzehnten der Pause wieder auf.

Im Jahr 2015 übernahm die „Baltic Seaplane GmbH“ die Rechte am Landeplatz vor Sonwik und bekam die Landerechte auf der gesamten Flensburger Förde und entlang der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste. Unser Unternehmen führt die Wasserflugtradition in Flensburg fort und das nicht nur in diesem Revier!

Weitere Landeplätze der „Baltic Seaplane GmbH“ wie beispielsweise in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern haben ebenfalls eine tiefe Verbundenheit mit der Geschichte der Wasserfliegerei. In Plau am See wurden schon 1910 Wasserflugzeuge erprobt. August von Parseval unternahm Flugversuche mit sehr „filigranen“ Flugapparaten nur um festzustellen, dass diese nicht wasserstartfähig waren. „Baltic Seaplane GmbH“ führt diese Tradition fort – und im Gegensatz zu früher sind unsere Flugzeuge sehr wohl  wasserstartfähig! 

An beiden Standorten wird wieder mit Wasserflugzeugen geflogen. Der Zweck ist kein militärischer, es werden auch keine Flugzeuge erprobt und getestet; sondern es werden in erster Linie touristisch orientiert Flüge – Rundflüge – angeboten und durchgeführt, um unseren Fluggästen die schönen Landschaften der Flensburger Förde und der Seen in Mecklenburg-Vorpommern zu zeigen.

Weiterhin ist die „Baltic Seaplane GmbH“ auch eine der wenigen Flugschulen in Europa, bei der man die Wasserfliegerei lernen und die Berechtigung erwerben kann. Sieben Fluglehrer mit langjähriger Erfahrung in der Wasserfliegerei freuen sich darauf ihnen diese einmalige Art der Fliegerei zu vermitteln…..  

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